Der Luisenstädtische Kanal

Der Luisenstädtische KanalFoto: Bezirksmuseum Friedrichshain-Kreuzberg

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gestern / Baugeschichte

Der Oranienplatz mündet in die Spree

Ein Kanal: Geschaufelt und dann zugeschüttet. Eine U-Bahn-Tunnel: Gebaut und wieder verlegt. Ein Autobahnkreuz: Geplant, aber nie fertiggestellt. So einiges musste die Oranienstraße ertragen, bis sie zu dem wurde, was sie heute ist.

Stefan Mair Autor: Stefan Mair
Der stinkende Kanal
In die O ging es früher auch mit dem Boot - und zwar auf dem Luisenstädtischen Kanal am Oranienplatz. Von dort aus konnte man am Ufer des 2,3 Kilometer langen Kanals entlang flanieren, viele kleine Brücken verbanden die zwei Straßenseiten. Doch wozu brauchte es diesen Fluss zwischen Spree und Landwehrkanal?

In erster Linie war er ein Schmuckobjekt. Aber auf ihm sollte auch Baumaterial transportiert und die Spree von Wasserhochständen entlastet werden. Beim Bau wurde jedoch ein gravierendes Problem vernachlässigt. Der Fluss hatte kaum Strömung - das Wasser kam nicht in Schwung, der Gestank umso mehr.

1852 eröffnet, bestand er 72 Jahre lang. Und endete wie er einst begonnen hatte: Mit einer ABM, einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. 5000 Arbeiter buddelten mit Schaufeln mehr als zwei Kilometer vom südlich gelegenen Urbanhafen Richtung Norden in die Spree. Doch der noble Luisenstädtische Kanal war nur anderthalb Meter tief. Zwischen Schmuckkanal und Schuttschleuse erlangte das anderthalb Meter tiefe Gewässer nie seine optimale Funktionalität.

Erst 1926 entschied der Senat (damals noch: Magistrat) von Berlin, dass der Kanal wieder zugeschüttet werden muss. Erde war genug da, schließlich wurde gerade die U-Bahnlinie U8 ausgehoben. Das Erdmaterial konnte direkt in den Kanal verfrachtet werden und bot wiederum hunderten Arbeitern Beschäftigung.
Die verlegte U-Bahn
Während der U-Bahntunnel von Kottbusser Tor bis Heinrich-Heine-Platz gegraben wurde, erkannten viele Kaufleute wie umsatzsteigernd ein geschäftsnaher U-Bahnausgang sein konnte. Karstadt am Hermannplatz hatte es vorgemacht. Seitdem das Kaufhaus über einen eigenen U-Bahnausgang verfügte, boomten die Geschäfte.

Nun fürchtete das Warenhaus Wertheim am Moritzplatz den Verlust seiner Kunden, weil die nächste U-Bahnstation am Oranienplatz entstand. Würde der weit entfernte U-Bahnausgang zu viele Menschen in Konkurrenzläden spucken?

Doch der U-Bahntunnel war schon gegraben, eine Verlegung undenkbar. Zumindest so lange bis Kaufhausinhaber Georg Wertheim umgerechnet 20 Millionen Euro auf den Tisch legte und damit eine neue Grabung erreichte.

Der 1928 eröffnete U-Bahnausgang liegt heute noch am Moritzplatz, das Kaufhaus Wertheim längst verschwunden.
Kahlschlagsanierung für eine Autobahn
In den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sorgten Autobahnpläne für Aufregung. Alle Straßen zwischen Wassertorplatz und Oranienplatz standen vor dem Abriss. Wohnen sollten nur mehr jene, von denen man erwartete, dass sie nicht lange blieben - Arme, Alte, Arbeitslose, Ausländer.

Die Route der geplanten Autobahn verlief genau auf der O: über das Gelände des Görlitzer Bahnhofs in Richtung Oranienplatz. Dort sollte ein gigantisches Autobahnnetz entstehen.

Der geplante Totalabriss hatte einen bezeichnenden Namen: Kahlschlagsanierung. Weil viele ausgebombte Ruinen immer noch leer standen, sollten sie Platz für die Autobahn und Neubauten machen. Hunderte Hausbesetzer fühlten sich angestachelt und wehrten sich gegen die sprichwörtliche Erneuerung ihres Viertels. Ihre Häuser verließen sie nur unter Polizeigewalt.

Das Autobahnvorhaben wurde nach Protesten fallen gelassen, der Senat legalisierte die vielen Besetzungen nach und nach.



Zwischen Schmuckkanal und Schuttschleuse

Der mondäne Luisenstädtischer Kanal. Leider hatte er zu viel stehendes Wasser und stank fürchterlichFoto: Annegret Richter


Ein U-Bahnausgang für das Kaufhaus Wertheim

Die heutige U-Bahnlinie (grün) und der schon gegrabene, aber nie genutzte U-Bahntunnel (gelb)Foto: Annegret Richter


Kahlschlag für die Autobahn

Ein großes Autobahnkreuz mitten am Oranienplatz. Das sah die Autobahnplanung auf der O vorFoto: Annegret Richter


Zeitstrahl
Von Napoleons Aufmarsch in Berlin, den Bomben über Kreuzberg im Zweiten Weltkrieg bis hin zur Entstehung der Prinzessinnengärten am Moritzplatz: Eine Chronik über die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Oranienstraße

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