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gestern / Autonomes Kreuzberg

Eine Schlacht, zwei Krieger

Der 1. Mai 1987 markiert ein düsteres Kapitel in der Geschichte der Oranienstraße: Brennende Barrikaden, geplünderte Läden und hunderte Verletzte. In ZOOM BERLIN erzählen ein Autonomer und ein Polizeibeamter, wie sie jenen Tag erlebten.

Der Comiczeichner

Die Zeichnungen in unserem Video stammen von Gerald Hartwig. Der freischaffende Künstler und Zeichner lebt und arbeitet in Berlin. Ende des Jahres erscheint im Luftschacht-Verlag seine erste Graphic Novel „Chamäleon“.
Website von Gerald Hartwig

Wir schreiben den 1. Mai 1987 in Kreuzberg. Das in den Jahren zuvor friedliche Straßenfest auf der Oranienstraße und Umgebung eskaliert dramatisch: Etwa 600 Vermummte aus der linken Szene liefern sich Straßenschlachten mit 400 Polizisten.
Molotow-Cocktails und Plünderungen
Die Chaoten schmeißen Molotow-Cocktails, plündern Geschäfte, kippen Autos und ein Löschfahrzeug der Feuerwehr um, stecken sie dann in Brand. Auf der Oranienstraße verschanzen sie sich hinter Barrikaden. Die Polizeibeamten fliehen auf eine Anhöhe im Görlitzer Park, im damaligen Beamtenjargon „Golanhöhen“ genannt. Spät in der Nacht verlieren sie endgültig die Kontrolle über den wütenden Mob. Der Befehl: "Lassen sie das schwere Gerät zurück und treten sie die Flucht an." Für Stunden ist Kreuzberg in der Hand von Autonomen.

corner Im ganzen Kiez hat's gebrannt. – Andi80 play AudioCite1


Am Ende der Schlacht zählt die Polizei 193 verletzte Beamte. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 15 Millionen DM – Eine derartige Eskalation hat Berlin noch nicht erlebt. BILD titelt am nächsten Tag: „Kreuzberg: Blutige Straßenschlacht“.

Einer der 600 Autonomen war „Andi80“. Zusammen mit einem Freund hatte er sich an der Plünderung eines Supermarkts am Oranienplatz beteiligt.

Als sie anschließend das Haus in der Oranienstraße 169 verlassen wollen, stehen ihnen plötzlich Polizeibeamte gegenüber. Den beiden Männern gelingt eine spektakuläre Flucht durch ein Keller-Labyrinth aus dem Zweiten Weltkrieg. Zwischen den Häusern auf der Oranienstraße gab es damals überall Kellerdurchbrüche. Ebenfalls als Fluchtwege genutzt wurden auf den Dächern die sogenannten Bohlengänge für Schornsteinfeger. Die schmalen Bretter aus oft morschem Holz dienten den Fliehenden als Übergang zum nächsten Dach. Exklusiv in ZOOM BERLIN erzählt „Andi80“, wie er in der Nacht des 1. Mai 1987 entkommen konnte und beobachtete, wie einer seiner Freunde eine schwere Gewalttat verübte.
Terror-Nacht in Kreuzberg
1. Mai

Seit über 100 Jahren wird der 1. Mai von der Arbeiterbewegung gefeiert. Er geht auf den Haymarket-Riot in Chicago im Jahre 1886 zurück. Arbeiter demonstrierten damals für einen Acht-Stunden-Arbeitstag, der Aufstand endete in einem Blutbad.

In jener Nacht fällt der Startschuss für die alljährlichen Gewaltorgien am 1. Mai. Zwei Jahre später titelt BILD: „Terror-Nacht in Kreuzberg“ und berichtet, dass die Krawalle im besetzten Haus Oranienstraße 192 ihren Anfang nahmen. Ein Anwohner berlinert damals zu BILD: „Det sieht hier ja aus wie im Libanon.“ 1989 sind es schon 2000 Autonome, die 1600 Beamten gegenüberstehen.

ZOOM BERLIN sprach auch mit einem ehemaligen Polizisten, der 1987 bis 1989 in der berühmt-berüchtigten „Einheit für besondere Lagen und einsatzbezogenes Training“ (EbLT) diente. Sie wurde als Antwort auf die sich ausweitenden Kreuzberger Krawalle gegründet. Diese Truppe schockierte bisweilen sogar Kollegen aus dem Sondereinsatzkommando der Polizei. Ein junger Mann sei so brutal zum Sammeltransporter geschleift worden, „dass sein Kopf förmlich über die Steine holperte“, sagte ein SEK-Polizist im Mai 1988 zum SPIEGEL. Ein Jahr später wird die EbLT wieder aufgelöst.

Der Beamte von damals erlebte die Krawalle und die Besetzerszene jahrelang und bestätigt aus Polizeisicht, was „Andi80“ ZOOM BERLIN erzählt hat. Er will anonym bleiben, deshalb haben wir seine Geschichte nachvertont.

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Ein Ex-Polizist, der 1987 bis 1989 in der berühmt-berüchtigten Einheit für besondere Lagen dienter erzählt über die Kreuzberg-Krawalle aus Polizeisicht

Die Spezialeinheit wurde 1989 wegen heftiger Kritik an ihrer Vorgehensweise aufgelöst – Quelle: Til Biermann


Straßenschlacht am 1. Mai

Die Mai-Krawalle haben in Kreuzberg eine rund 30 Jahre alte Tradition. Vielen Chaoten geht es nicht ums Politische, sondern um den NervenkitzelFoto: Manco eV


Zeitstrahl
Von Napoleons Aufmarsch in Berlin, den Bomben im Zweiten Weltkrieg und den Krawallen am 1. Mai in Kreuzberg bis hin zur Entstehung der Prinzessinnengärten am Moritzplatz: Eine Chronik über die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Oranienstraße

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