Ziraat Bank

Die T.C. Ziraat Bank in der Oranienstraße, Ecke Adalbertstraße. Heute befindet sich dort das Hasir-RestaurantFoto: Ullstein GmbH

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gestern / Mordfall

Wer erschoss den Bankdirektor?

Im November 1999 ermordeten Unbekannte den Bankdirektor Ümit Yilmaz (†49) in der Filiale der T.C. Ziraat Bank in der Oranienstraße 177. Doch die Täter hatten es offenbar nicht auf Geld abgesehen.

Wie jeden Morgen machte sich Ümit Yilmaz(†49) am 12. November 1999 auf den Weg von seiner Wohnung in der Wilmersdorfer Uhlandstraße nach Kreuzberg.

In der Oranienstraße 177, Ecke Adalbertstraße, arbeitete er als stellvertretender Filialleiter der türkischen Staatsbank T.C. Ziraat Bankasi - schon zehn Jahre lang.

Als er an diesem Freitag gegen 8.25 Uhr das Geldinstitut über den Personaleingang betritt, sollte nichts sein wie immer. Fünf Minuten später war Ümit Yilmaz tot.

Der Angestellte kommt gerade durch den Personaleingang, als die Täter zuschlagen. Sie haben sich womöglich im Flur versteckt, warten dort, bis der Bankdirektor durch die Tür kommt.
Eine regelrechte Hinrichtung
Sekunden danach treffen Ümit Yilmaz mehrere Kugeln, die Täter flüchten. Der Banker stirbt noch am Tatort. Ein Polizist spricht später von einer regelrechten Hinrichtung.
Ein Hausbewohner findet den blutüberstömten Leichnam von Ümit Yilmaz kurze Zeit. Er hinterließ seine Ehefrau Hülya und die zwei Söhne Deniz und Aziz.

Augenzeugen haben nur einen der Täter gesehen und beschreiben ihn als jungen Mann zwischen 20 und 30 Jahren, etwa 1,75 Meter groß sein, dunkles Haar hat. Bis heute konnte er nicht identifiziert werden.
Der Täter benutzte einen Schalldämpfer
Die Polizei kommt später zu dem Schluss, dass die Täter eine Schusswaffe mit Schalldämpfer benutzt haben müssen. Keiner der Anwohner hatte die tödlichen Schüsse gehört. Niemand hatte die Tat gesehen.

Vor allem das Motiv des Mordes ist für die Ermittler bis heute unklar. Der erste Verdacht, dass die Täter eigentlich in die Bank eindringen wollten, um hohe Summe von Bargeld zu stehlen, ließ sich nicht bestätigen. An der Tür zu den Innenräumen der Bank finden sich keinerlei Einbruchsspuren. Zudem trug Yilmaz noch alle Schlüssel bei sich.

Der Tathergang lässt aber vermuten, dass die Täter das Geldinstitut genau kannten. Die Staatsbank T.C. Ziraat Bankasi ist eine der größten Banken der Türkei. Sie verfügt in ihrer Filiale in der Oranienstraße 177 jedoch über keinerlei Bargeld, ist spezialisiert auf den bargeldlosen Betrieb.

corner Ich kann mir vorstellen, dass es etwas mit Rechtsextrimismus zu tun hat. – Hamid Y., Freund play AudioCite1


Im Viertel kursiert das Gerücht, dass Ümit Yilmaz einem politischen Mord zum Opfer fiel. Der damals zuständige Polizeidirektor Jochen Sindberg schenkte diesen Spekulationen aber keinen Glauben.
Jeder im Kiez mochte Ümit Yilmaz
Viele Menschen in der Oranienstraße erinnern sich an Herrn Yilmaz, doch zu seinen grausamen Tod wollen sich nur wenige äußern. Es bestehen Vermutungen, dass Ümit Yilmaz von Rechtsextremen erschossen wurde. Wieder andere glauben, dass die linksradikale Gruppierung Devrimci Sol aus der Türkei verantwortlich sein könnte und mit dem Mord an Yilmaz den türkischen Staat angreifen wollte.

Sein damaliger Bekannter Hamid Y. kann sich bis heute nicht erklären, warum Yilmaz sterben musste. Für ihn war Yilmaz eine Respektsperson, jeder im Kiez mochte ihn.

corner Alle haben Ümit respektiert. Er hat nicht einmal falsch geparkt. – Hamid Y., Freund play AudioCite2


Auch fast 13 Jahre nach der Tat gibt es weiterhin keine Erklärung, warum der stellvertretende Bankdirektor sterben musste. Trotz einer Belohnung von 10.000 DM meldete sich niemand bei der Polizei. Bis heute nicht.


Frisch verheiratet

Ümit Yilmaz hatte erst vor wenigen Wochen seine Frau Hülya geheiratet, wollte eine Wohnung für sich und seine Familie kaufenFoto: Ullstein GmbH


Das Restaurant Hasir.

Oranienstraße/ Ecke Adalbertstraße heute: Hier befand sich im Jahr 1999 noch die Filiale der Ziraat BankFoto: Anja Richter



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Hamid Y. erinnert sich an seinen Nachbar Ümit Yilmaz

Die Männer arbeiteten bis zum Tod von Yilmaz in der Oranienstraße. Hamid Y. rekonstruiert den Tag und sucht nach Gründen für den Mord. ZOOM Berlin hat den Text auf Wunsch des Zeugen nachsprechen lassen – Quelle: Richter/Negroni


Zu spät

Für Ümit Yilmaz kommt jede Hilfe zu spät: Der stellvertretende Bankdirektor stirbt noch am TatortFoto: Ullstein GmbH


Personaleingang der T.C. Ziraat-Bank

Im Jahr 1999 befand sich der Personaleingang der Ziraat Bank in der Oranienstraße 177. Hier lauerten die Täter Ümit Yilmaz aufFoto: Anja Richter


Zeitstrahl
Von Napoleons Aufmarsch in Berlin, den Bomben über Kreuzberg im Zweiten Weltkrieg bis zu den ungeklärten Todesfällen: eine Chronik über die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Oranienstraße

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