Joachim Schulze
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heute / Blindheit

Mit den Augen eines Blinden

Nie wieder die Sonne sehen, nie wieder in die lachenden Augen eines anderen Menschen blicken: Joachim Schulze ist blind, hat sein Augenlicht vor mehr als 30 Jahren verloren. Seitdem schlägt er sich im Dunkeln durch das Leben, jeder Weg zu seiner Arbeit auf der Oranienstraße ist eine Herausforderung. Ein gemeinsamer Spaziergang über die Oranienstraße.

Als junger Mann konnte Joachim Schulze (63) noch sehen – bis Grauer Star bei ihm entdeckt wurde. Wenige Jahre später hat er sein Augenlicht komplett verloren. Ein Schicksalsschlag, der das Leben eines Menschen völlig verändert. Wie Joachim Schulze mit seiner Krankheit umgeht, hat er uns in einem Interview geschildert.

Bürstenmanufaktur

Die Bürstenmanufaktur ist seit 1928 auf der Oranienstraße. Im Haus der ehemaligen Blindenanstalt fertigen blinde und sehbehinderte Mitarbeiter Bürsten und Besen an. Das Bürsteneinziehen galt früher als typisches Blindenhandwerk, da sie mit ihren sogenannten „sehenden Händen“ als besonders geeignet für diese Arbeit galten.

Wie haben Sie den Tag erlebt, an dem ihr Augenlicht zum ersten Mal komplett verschwunden war?

Joaschim Schulze: Es war natürlich ein schrecklicher Tag. Ich musste mich zum ersten Mal durch die Welt tasten. Allerdings konnte ich mich ja an den Gedanken gewöhnen, ich habe das Sehlicht ja nach und nach verloren. Schwierig war, dass man sich komplett neu orientieren, immer mehr Hilfe von anderen Menschen annehmen musste.

Sie arbeiten in der Bürstenmanufaktur auf der Oranienstraße und leben in Wilmersdorf. Wie haben Sie den Weg zur Arbeit erlernt?

Ich hatte ein Training mit einem Mobilitätstrainer, der mir die alltäglichen Wege gezeigt hat. Gemeinsam mit ihm habe ich gelernt, wo zum Beispiel die Rolltreppen in den U-Bahn-Stationen anfangen. Aber man muss die Wege oft nutzen, um sicher gehen zu können.


Was genau bedeutet die Oranienstraße für Sie?

Ich bin sehr froh, dass ich auf der Oranienstraße eine Arbeit gefunden habe. Ich arbeite jetzt seit fast 20 Jahren in der Bürstenmanufaktur und glaube nicht, dass ich einen anderen Job gefunden hätte. Die Menschen auf dieser Straße sind wirklich sehr hilfsbereit. Wenn ich über die Straße will, dann bekomme ich sehr oft Hilfe. Und das ist nicht selbstverständlich.


Wie unterscheidet sich Ihr Alltag von dem sehender Menschen?

Ich brauche einfach viel mehr Zeit als Sehende. Das fängt schon morgens bei der Kleiderwahl an. Zum Glück habe ich mittlerweile ein Farb-Erkennungsgerät, das spricht und ich so meine Kleidungsstücke auswählen kann.

Was würden Sie als erstes machen, wenn Sie wieder sehen könnten?

Ich würde gerne Auto fahren, das wünsche ich mir schon lange. Ich habe bei „Autofahren für Blinde“ teilgenommen und es hat so viel Spaß gemacht. Leider findet das nur alle zwei Jahre statt.

Was würden Sie gerne nochmal sehen?

Ich würde mir gerne Fotos aus der Vergangenheit angucken. Und Blumen. Und Farben. Eigentlich alles.
Bürstenmanufaktur
Die Bürstenmanufaktur

Die Bürstenmanufaktur bietet Blinden und Sehbehinderten neue ChancenFoto: Nadja Lucas


Blindenschrift
Blindenschrift

Fühlen statt lesenFoto: Nadja Lucas


Rücksicht nehmen

Hier ist Vorsicht gebotenFoto: Nadja Lucas

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