Sissi Goetze
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heute / Junge Designerin

Sissi Goetze - Männermode aus der Oranienstraße

Die Kreuzberger Modemacherin Sissi Goetze steht kurz vor ihrem Durchbruch - als Designerin für Männermode. In ihrem kleinen Wohnatelier in der Oranienstraße entsteht gerade die Kollektion für die kommende Mercedes Benz Fashion Week in Berlin.

Das schwarze Lederarmband an Sissi Goetzes Handgelenk sticht fast schon heraus aus der Geradlinigkeit: Schwarze, dünne Chino-Stoffhose, schwarzes Shirt, schwarze Schnürschuhe. Auf den ersten Blick wirkt die 31-jährige Modedesignerin in ihrer Zweizimmer-Altbauwohnung in der Oranienstraße eintönig.

Goetze arbeitet an ihrer vierten Männermode-Kollektion, die dritte unter eigenem Namen. Im Juli präsentiert sie diese auf der Berliner Fashionweek. Ihr dritter Besuch dort als Modeschöpferin.

Goetze hat helle Haut und rötlichblondes, feines Haar. Ein Hauch von Make-up lässt ihre zarten Sommersprossen erahnen. Sie trägt kaum Schminke, nur einen Lidstrich, der exakt gezogen ist. Natürlich in schwarz. Klassisch, minimalistisch, wie ihr Stil und die Mode, die sie entwirft.

„Männer kaufen sich ein Hemd, das sie dann jahrelang tragen. Die Einstellung gefällt mir“, sagt die Designerin. Also entwirft sie Kleidung für Männer. In grau, beige und natürlich in schwarz. Geradlinig, einfach.

Frauen kaufen sich jeden Monat neue Teile, die dann schnell wieder ausrangiert werden. Nichts für Goetze: „Ich will Mode machen, die überdauert“, sagt sie.

Für ein graues, aber zeitloses Hemd zahlt der Kunde daher auch 180 Euro. Erst auf den zweiten Blick erkennt ein Laie die Besonderheit des Kleidungsstücks.

„Keine Nähte unter den Armen, keine auf den Schultern“, demonstriert Goetze an einem der grauen Baumwollhemden. „Und die Knöpfe an den Ärmeln sind versteckt, eine Spielerei“, meint sie euphorisch. Sie ist fasziniert von den verborgenen Details, die es zu entdecken gilt.

Und schaut man genauer hin, entdeckt man auch bei Goetze eine Besonderheit: Sie ist wie ihre Mode. Auch sie erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Sie ist Absolventin des Central Saint Martins College in London, eine der härtesten und renommiertesten Modeschulen weltweit. Hier offenbart sich ihre Strukturiertheit und Geradlinigkeit, die sich nach außen in ihrer Kleidung und in der, die sie entwirft, zeigt. Mode für Männer macht sie aus Begeisterung. Auch aus Kalkül? „Mode für Frauen macht schließlich jeder.“
Klare Mode, klare Ziele
Der schwarze Klecks Sissi Goetze erscheint allerdings gar nicht nur einfarbig und strukturiert, wenn man sie im Kontext betrachtet. Sie sitzt inmitten des Chaos. In ihrem Wohnzimmer, das gleichzeitig ihr Atelier ist, liegen Stofffetzen, Zeichnungen und Bücher auf Boden und Schreibtisch. Metermaß und Bänder hängen aus halb geöffneten Kartons. An den weißen Wänden entdeckt man einen Farbtupfer nach dem anderen. Willkürlich stehen die orange und pink bemalten Stoffleinwände auf dem Boden und hängen im Flur in der Ecke. Wenn Farbe, dann Neon.

Das verrät auch die Turnschuhsammlung. Hundert Paar stehen im Flur im hohen Wandregal. Manche sind Originale aus den Achtzigern in quietschgrün oder gelb.

Goetzes Freund ist auch so ein Farbklecks im Designeratelier. Im Gegensatz zu den dürren Männermodels, die die hochgeschlossenen Hemden der Designerin tragen, schlurft der kräftige Freund der privaten Sissi in Jeans und offenen Sneakers durch die Wohnung. Ihr Mann zu Hause ist ein anderer als der, der ihre Arbeit trägt. Ihr beruflicher Geschmack unterscheidet sich von ihrem privaten. „Er ist Kaufmann“, sagt Goetze. „Einen Designer würde ich nicht daten“, fügt sie hinzu und lacht. „Der wäre ja mein Konkurrent und außerdem keine neue Inspiration für meine Arbeit.“ Erstaunlich ehrlich. Sie überrascht immer wieder.

Es lohnt sich, das aufstrebende Mode-Sternchen Sissi Goetze im Auge zu behalten. Denn hinter dem ersten Blick verbirgt sich viel mehr: Eine facettenreiche Person, bei der ein graues Männerhemd eben nicht nur ein graues Hemd ist, sondern der nächste Modetrend, bei dem es sich lohnt genauer hinzusehen.
Sissi Goetze
Klare Formen

Die Kollektion zeigt klare Formen und schlichte FarbenFoto: Julia Schroierer


Sissi Goetze
Geradlinig

Ihre erste, sehr geradlinige komplett aus weißem Hemdenstoff gearbeitete Abschlusskollektion wurde 2010 als eine der wenigen Abschlusskollektionen für die prestigeträchtige Saint Martins Catwalk Show auf der London Fashion Week ausgewähltFoto: Julia Schroierer


Sissi Goetze
Sissi Goetze

Besonders inspiriert wurde Sissi Goetze vom Bauhaus-StilFoto: Julia Schroierer


Inspiriert von „Rocky”
Inspiriert von „Rocky”

Der Sissi-Goetze-Look bezieht für die Herbst/Winter-12/13-Kollektion einen Teil der Inspiration aus Filmen wie „Rocky“ und wird in ihrer charakteristischen Formensprache und dem Vereinen von scheinbar gegensätzlichen Aspekten aus der Männermode umgesetztFoto: Julia Schroierer

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