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heute / Nachtleben

SO36: Wo der Punker mit dem Schwulen tanzt

In den Achtzigern rebellierte im SO36 der Punk, in den Neunzigern wummerten Technobeats, heute finden hier Queer-Partys statt. Und während im restlichen Berlin das Club-Sterben weitergeht, tanzt man im SO36 gelassen durch die Nächte.

Evelyn Rosar Autor: Evelyn Rosar
„Ich muss ins SO36 nach Kreuzberg!“ - Das war das Erste, an das Karsten Mews (49) aus Ost-Berlin dachte, als die Mauer fiel. Am Abend des 9.11.1989 war die erste Anlaufstelle für Mews das SO36. Ein Sehnsuchtsgedanke nach Freiheit und Unbeschwertheit.

Wenn Mews nach zwanzig Jahren den langen, zuplakatierten Eingangsflur des SO entlang geht, kommen Erinnerungen auf. Er entdeckt ein Plakat von Ballroom reloaded, eine Technoveranstaltung, die an die früheren Electric Ballroom-Partys Anfang der Neunziger anknüpft. „Die DJs, die hier aufgelegt haben, haben Techno sicherlich mitbegründet“, sagt Mews. Techno war und ist für ihn eine Befreiung. Er hat hier die Entstehung dieser Musik miterlebt.

„So etwas wie das SO kannte man im Osten nicht. Ein Raum, in dem sich alle hemmungslos dem Tanzen hingeben, danach haben wir uns gesehnt. Wir kannten es nur vom Hörensagen.“
Das Gefühl von damals kommt wieder auf, wenn der Fan der ersten Stunde den Tanz- und Konzertsaal betritt: „Das SO war mehr als eine Disko, hier herrschte ein Gefühl von Leben und Freiheit.“
Hier wummerte Techno, hier rebellierte Punk
Im SO dröhnte nicht nur der Technobass. Anfang der Achtziger war der Club vor allem der Ort der Punk- und New Wave-Bewegung. Hier spielten Bands wie die Einstürzenden Neubauten, The Exploited und die Dead Kennedys.

Bis heute fühlen sich Punks hier heimisch, ob auf der Bühne oder als Gast im Publikum. Das weiß die Berliner Band The Pokes, die seit zehn Jahren immer wieder hier spielen. „Hier sind wahre Freundschaften entstanden, die bis heute halten“, sagt der Sänger Ian Beer (43). „Die Abende bleiben unvergessen. Die Party ging nach dem Konzert auf der ganzen Oranienstraße weiter. Die ganze O hat gefeiert. Das war ein richtiges Miteinander.“

Dieses Gemeinschaftsgefühl erlebt Beer nicht nur selbst, sondern beobachtet es auch beim Team des SO. „Das sind keine Arbeitskollegen, alle, die hier arbeiten oder herkommen, bilden eine Familie. Das macht das SO aus und unterscheidet es von den anderen Clubs“, so Beer.

Im vergangenen Jahr mussten der Club der Republik und der Knaak-Club schließen. Insgesamt sind fünfzehn Clubs vom Aussterben bedroht, vor allem die Mietpreise machen ihnen zu schaffen. Der Schokoladen kämpfte drei Jahre ums Überleben. Die Nachbarn beschwerten sich wegen der Lautstärke.

Dieses Problem macht vor dem SO nicht halt, auch eine Institution steht hin und wieder vor dem Aus. Zuletzt 2009. Doch das SO wird nicht geschlossen. Beer weiß warum: „Die Familie“, sagt er. Das Gefühl von Gemeinschaft erreichte so viele, dass die Finanzierung einer Lärmschutzmauer von Fans und Freunden ermöglicht wurde. Auch die deutsche Punkband schlechthin, die Toten Hosen, gehören zur Familie: Sie spielten ein Konzert, bei dem die Einnahmen in die Kosten der Schallmauer geflossen sind.
Nicht nur die Musik, sondern das Lebensgefühl gibt den Takt an
Das SO war ständig im Wandel. Hier konnte man die ersten Stunden der Punk- und die ersten Stunden der Technobewegung miterleben. Zwei Musikrichtungen, die gegensätzlicher nicht sein können und sich eigentlich ausschließen. Bis heute spielen hier Punkbands und finden Electropartys statt.

Jetzt ist das SO wieder ein Vorreiter der Subkultur. Auf der Veranstaltung Gayhane tanzen homosexuelle Türken. Homosexuell und muslimisch- dieses Tabu existiert hier nicht.

Das Miteinander der unterschiedlichsten Kulturen ist hier möglich, da es keine Gruppierung ausschließt. Es ist offen für alle Musikrichtungen oder Personengruppen. Mit einer Ausnahme: Keine Rassisten, Sexisten oder Homophoben.

Warum das SO trotz scheinbarer Widersprüche überlebt? Weil es hier keine gibt. „Im SO gibt eben nicht nur die Musikrichtung den Takt an, sondern das Lebensgefühl“, sagt Beer.
Disco im S036

Hier feiern Homosexuelle, Punks und Technofans unter einem DachFoto: Victor Reichardt


Auf der Bühne

The Pokes spielen seit über zehn Jahren im SO36Foto: Benjamin Doerfel


corner Im SO kann sich jeder zu Hause fühlen. – Matthias Priller von Emergenza play AudioCite1

Alle wollen zu Emergenza

Hier wartet die Meute vor dem SO36Foto: Riza-Rocco Avsar

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