Das Leben in der Oranienstraße in Zahlen
Das Leben in der Oranienstraße in Zahlen

Eine Infografik über das Leben in der OranienstraßeFoto: Axel Springer Akademie

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morgen / Stadtplaner prognostiziert

Mieten steigen, bunt wird's bleiben

Bunt, laut, kreativ und unberechenbar. Die O ist eine Straße wie seine Bewohner. Sie prägen das Leben, sind der Pulsschlag. Doch wer wohnt hier in Zukunft? Die Bewohner des Kiezes haben Angst, dass die steigenden Mietpreise die Gentrifizierung in Gang setzt. Was wird aus dieser bunten Straße?

Außer den vielen Verkehrsregeln gibt es auf der Oranienstraße nur ein Gesetz. Man muss hier jederzeit mit Allem rechnen. Leute, die auf der O wohnen, lieben die Vielfalt, das Chaos und das multikulturelle Flair. Sie schätzen den hohen Pulsschlag dieser Straße.

Doch die Bewohner fürchten, dass die gerade in Kreuzberg stark steigenden Mietpreise die Bevölkerungsstruktur im Kiez verändern werden. Die Immobilienangebote zielen immer öfter auf einkommensstarke Gesellschaftsschichten ab. Der Kiez ist beliebt und wird immer schicker. Das ist oft Ausgangspunkt eines Gentrifizierungsprozesses.
Oranienstraße nur noch für Reiche?
Die Oranienstraße muss man dabei allerdings isoliert betrachten. Stadtentwicklungs-Experte Sigmar Gude sagt der O eine weiterhin bunte Zukunft voraus.

corner „Gentrifizierung läuft in drei Phasen ab“ – Experte Sigmar Gude erklärt den Prozess play AudioCite1


Gude: „Die Bewohner der Oranienstraße haben kaum Möglichkeiten, in andere Stadtteile auszuweichen. Das wird soziale Veränderungsprozesse wie Gentrifizierung behindern.“ Der Stadt-Forscher begründet seine These so: Die Mieten werden nicht konstant bleiben, sondern stetig steigen. Allerdings werden die Kosten in den umliegenden Teilen Kreuzbergs und den anderen Bezirken noch stärker steigen. Die Straße aus finanziellen Gründen zu verlassen, lohnt sich daher nicht.

Die O ist ein Sonderfall in Kreuzberg. Aufgrund der Lärmbelastung durch Verkehr und Kneipen sind die Mieten dort knapp neun Prozent günstiger als der Durchschnitt der Wohnungsbau-Genossenschaft „Luisenstadt”. Neue Kiez-Bewohner favorisieren eher die umliegenden Viertel. Im Vergleich zu ganz Berlin liegt die Oranienstraße bei den Mieten sogar knapp elf Prozent unter dem Schnitt.
Umzug teurer als zu bleiben
Experte Sigmar Gude

Sigmar Gude ist Gründer des renomierten Berliner Stadtentwicklungs- und Stadtforschungs-Institutes TOPOS. TOPOS führt seit vielen Jahren regelmäßig Sozialforschungen in Berliner Bezirken durch. Die Einschätzungen des Diplom-Soziologen sind in Wirtschaft, Verwaltung und Politik gefragt.

Sigmar Gude von TOPOS sagt: „Die Bewohner der Oranienstraße werden in den sauren Apfel beißen und die hohen Preise in Kauf nehmen müssen. Ein Umzug käme sie nämlich noch teurer.“ Das bestätigen die Zahlen. Die Menschen auf der O wohnen im Durchschnitt schon seit 9,4 Jahren in der Straße. Im Bezirk Kreuzberg sind die O-Straßen-Bewohner durchschnittlich sogar schon seit 14 Jahren zu Hause. Es zeigt, dass die Fluktuation eher gering ist.

Ein weiterer Grund, warum es billiger ist zu bleiben als zu gehen, sind alte und verhältnisweise günstige Mietverträge. Wer vor zehn Jahren in die Oranienstraße gezogen ist, zahlt heute wesentlich weniger als Neuankömmlinge. In Kreuzberg zahlen Bewohner, die um die Jahrtausendwende eingezogen sind, heute pro Quadratmeter rund 60 Cent weniger als frisch zugezogene Bewohner. Auch ein Umzug in eine günstigere Wohnlage bringt also keine finanzielle Entlastung.
Gentrifizierer fehlen
Experte Michael Kiefer

Michael Kiefer ist Leiter der Immobilien- und Marktforschung bei ImmobilienScout24. Für ZOOM BERLIN bewertet Kiefer, wie sich die Mietpreise in der Oranienstraße in Zukunft entwickeln werden. „Ich gehe davon aus, dass in fünf Jahren in Kreuzberg und anderen zentrumsnahen Szenebezirken Mietpreise von über zehn Euro pro Quadratmeter die Regel sein werden”, schätzt Kiefer.

Unabhängig von den Mietpreisen bezweifelt Gude die Gentrifizierungs-Theorie für die Oranienstraße aber auch aus einem anderen Grund: „Man muss sich mittlerweile fragen, woher die reichen Gentrifizierer überhaupt herkommen sollen. Die Einkommensstruktur gibt das in Berlin gar nicht her.“ Mit Prenzlauer Berg, Mitte, Friedrichshain und Schöneberg habe die junge und gut verdienende Klientel außerdem genügend Raum, um geeignete Wohnungen zu finden. Der Anreiz unbedingt nach Kreuzberg zu ziehen, sei deshalb nicht vorhanden.

Auch diese These kann mit Zahlen untermauert werden. 53 Prozent der Oranienstraßen-Bewohner haben bereits zuvor in Kreuzberg gewohnt. An zweiter Stelle kommen ehemalige Neuköllner mit knapp neun Prozent. Der Nachbarbezirk bietet wenig Gentrifizierungs-Potenzial. Bezirke, aus denen klassische Gentrifizierer kommen, spielen bei den Zuzügen in die Oranienstraße keine große Rolle.

Es ist typisch für diese Straße, dass sie sich von ihrer Umgebung isoliert. Hier machen die Leute, was sie wollen. Deshalb macht auch die ganze Straße, was sie will.


Die O in Zahlen

Interaktive PräsentationGrafik: Axel Springer Akademie


Mietspiegel von 2007 - 2017

Mietspiegel von 2007 - 2017Grafik: Axel Springer Akademie

Infografik Mietspiegel Karte 2007
Infografik Mietspiegel Karte 2008
Infografik Mietspiegel Karte 2009
Infografik Mietspiegel Karte 2010
Infografik Mietspiegel Karte 2011
Infografik Mietspiegel Karte 2012
Infografik Mietspiegel Karte 2013
Infografik Mietspiegel Karte 2014
Infografik Mietspiegel Karte 2015
Infografik Mietspiegel Karte 2016
Infografik Mietspiegel Karte 2017

Die Entwicklung der Mietpreise in Kreuzberg
Die Entwicklung der Mietpreise in Kreuzberg

Die Grafik zeigt den prozentuale Mietanstieg seit 2007. Die Werte für die Zukunft beruhen auf der Prognose von ImmobilienScout

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